Angelus, 1989, 75 cl

CHF 580.00 (inkl. 7.7% MwSt.)

Trinkreife trinken

Bewertung 19/20

1 vorrätig

SKU: oben-Angelus, 1989, 75 cl

Beschreibung

Gabriel

Trinkreife trinken
Bewertung 19/20
Bei den Fassverkostungen hatte ich diesen Wein entweder verpasst, oder es handelte sich hier wirklich um einen Spätzünder. Wenn ich meine Notizen betrachte, so legte er Jahr für Jahr um ein Quentchen zu, um erst in seiner ersten Genussphase diese 18/20 Punkte wirklich zu verdienen. Die feine Trockenheit und die kaum spürbare Bitterkeit im Extrakt wird er aber sein Leben lang behalten. 90: Fassprobe (16/20): Fette, üppige Nase mit gekochten Früchten. Feine Bitterkeit in den Tanninen, vielversprechender Wein. 1992 mit Walter Kaufmann getrunken: Erstaunlich offene Nase, geprägt von dunklem Barriquenröstton und Brombeeren. Im Gaumen extrem fein und dicht beschichtet. Nicht so überbraten wie einige andere 89er – also mit direkter Fruchtanzeige auch im Gaumen, steht leicht hinter seinem Potential. Sehr beeindruckend 1995: Erdig süsses Bouquet; viel Konzentration, gekochtes Cassis, Edelholz, Palisander. Saftiger Gaumen, nicht so üppig wie andere 89er, mehr auf füllige Eleganz setzend, hat die ehemalige Trockenheit im Extrakt etwas abgebaut und entwickelt viel Komplexität, angenehmes Tannin, schöner Rückhalt, langes Finish. Ein Jahr später: Kalter Rauch im heissen, korinthigen Bouquet, Dörrpflaumen; trotz allem wenig Süsse aufweisend. Im Gaumen feinsandig, Sojanote, trockene Komponenten in den Gerbstoffen. In den nachfolgenden Proben wurde er zunehmend runder und verlor nach und nach seine Bitterkeit. 98: Blind neben dem 89er Mission getrunken: Die Genussphase beginnt jetzt und die Entwicklung ist nach wie vor weiterhin positiv, er wird fetter und die Aromatik ist toll – also ein Grund zum Aufrunden (18/20). 02: Bernard Pujol brachte eine Magnumflasche mit: Immer noch trocken und enorm konzentriert; Backpflaumen, schwarze Oliven, dunkle Kruste von Pumpernickelbrot. Im Gaumen mehr Frucht zeigend; Cassis und Kaffee, ein warmer Wein, der mindestens eine Stunde Luft braucht (18/20). 02: In der Normalflasche ebenfalls verschlossen, herrlicher Kräuterduft, Walnüsse, weisser Pfeffer, für einen St. Emilion nicht besonders finessenreich, dafür sehr kräftig. Legt zu und kann bald schon 19/20 Punkte erreichen. 03: Das Bouquet ist zuerst etwas gemüsig, zeigt welke Blattnoten, Maggi, getrocknete Shi-Takepilze, leicht fischig und sehr entwickelt, verbessert sich dann aber zusehends an der Luft und bleibt sehr fett in der Nase. Weicher, runder Gaumen, eher tiefe Säure, was dem Wein eine pflaumige, jedoch auch sanft plumpe Kontur gibt, sanft antrocknende, feingliedrige Tannine. Macht jetzt zwar Spass, aber es fehlt im doch irgendwie die richtige Klasse. Dieser Wein ist seit dem ersten Barriquenkontakt (Fassprobe 16/20) eher unzuverlässig und zeigte sich bei einigen Kontakten immer wieder fragwürdig. Manche Flaschen sind absolut top, nicht wenige jedoch enttäuschend. Wer einen reifen Angélus von seiner besten Seite erleben will, sollte sich also eher an die zuverlässigen und genialen Jahrgänge 1988 und 1990 halten. Es scheint unterschiedliche Flaschenqualitäten zu geben!?! (17/20). 06: Hat erstaunlicherweise wieder zugelegt und ist jetzt auch 18-Punkteniveau, wenn man ihn eine halbe Stunde lang dekantiert und eher kühl geniesst: Dunkles Granat, tief in der Mitte, aussen einen feinen, passenden Reiferand zeigend. Würziges Bouquet, schwarze Pfefferkörner, Backpflaumen und einen Terroirton zeigend, der an einen grossen Hermitage erinnert. Im Gaumen fest, stoffig, mit einer zarten Würzbitterkeit auf der Zunge, die Gerbstoffe sind leicht trocken und vermischen sich mit dem Luftzutritt mit dem Weinfett, sehr würziges Finale, doch der Hauch einer Bitterkeit, der auch als Würzkomponente bezeichnet werden kann, bleibt bis im aromatischen Finale zurück. 09: Eine Magnum auf Angélus erkannten wir blind innert Sekunden, wegen der feinen Bitterkeit auf der Zunge. 10: Das war so ein fürchterliches Magnum-Zapfen-Wochenende. Zuerst am Sonntag die Magnum 1993 Grüner Veltliner von Knoll die möglicherweise 20/20 erreicht hätte. Und dann am Montag diese Magnum Angélus 1989. Aber ich musste ihn servieren, denn ich hatte vorgesehen zum Cordon-Bleu das meine Frau Karin zubereitet hatte. Und dazu gab es Zitronen zum Ausquetschen, die uns am Wochenende zuvor Hubert de Bouard schenkte, als wir bei ihm zu Gast waren. Also musste ich eine zweite Magnum im Keller holen. Diese war gewaltig konzentriert und würzig wie ein grosser Médoc. Ich glaube kaum, dass es noch einen anderen Saint Emillion gibt, der nach 20 Jahren so viell Power und Aromatik versprüht. Diese Doppelflasche lag bei 19/20. 12: Und wieder auf dem Château. Ein Wansinnswein mit Kräuter, Korinthen, Teer und Schoko- Malznoten. Ich war hin und weg. Und die Magnum war auch schnell weg. So schnell, dass Hubert noch einmal in den Keller stieg… Geschmacklich hat der 1989er jetzt so etwas Legendenhaftes! (19/20). 17: Magnum. Mitteldunkles Weinrot, sanft trübe in der Mitte, am Rand fein aufhellend. Intensives Bouquet, Rauchnoten, Lakritze, viel Pflaumen, Pumpernickelbrot, geht dabei in die Tiefe und zeigt dabei eine herrlich korinthige Süsse. Er entwickelte sich dann stetig in der Luft. Also mochte der den Luftzutritt. Im Gaumen schier nur schwarzbeerig, zeigt frisch zerdrückte Szechuanpfefferkörner, die geben dem satten Extrakt eine enorme Würze. Mir hat diese Angélus-Epoche besonders gut gefallen. Das war eine sagenhafte Magnum. (19/20). 17: Mit Lucien und Rita in Ste Maxime. Die Nase zeigt mehr Cabernet wie Merlot. Deshalb suchte ich bei dieser Blindprobe eher am linken Ufer. Im Gaumen immer noch diese nobelbittere Würze auf der Zunge, sanft trockener Fluss. Hält aber das Dekantieren locker durch. (19/20). 18: Extrem dunkel, satt, noch sehr jugendlich. Zeigt ein intensives Bouquet, mit Balance zwischen pflaumiger Frucht, restlichem Cassis und erdig-trüffeligen Untertönen. Im zweiten Ansatz; viel schwarze Pfeffernoten und brasilianischer Tabak. Im Gaumen unerhört kräftig, noch eine verlangende Adstringenz zeigend. Das Extrakt ist fein mürbe, das Finale gigantisch mit fast nur noch schwarzbeerigen Aromen. In diesem heissen Wein findet man ganz am Schluss ein Quäntchen von grünwürzigem Cabernet. Stört nicht – aber verhilft zu noch mehr Charakter. Wirkte viel jünger als die danebenstehenden Pomerols. Eine sich anbahnende Legende. (19/20).

 

 

Zusätzliche Information

Gewicht 1.3 kg