Yquem, 1937, 75 cl

CHF 3'200.00 (inkl. 8.1% MwSt.)

Parker: 96/100

Jeff Leve: 100/100

CellarTracker: 97/100

When to drink: 2014 to 2025

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SKU: 106-W-Yquem, 1937, 75 cl

Beschreibung

Parker: 96/100

Jeff Leve: 100/100

CellarTracker: 97/100

When to drink: 2014 to 2025

Gabriel:

Trinkreife trinken
Bewertung 20/20
Im Dezember 1999 zum Abschluss eines unvergesslichen Hirschen-Stamm-Treffens eine traumhafte Flasche aus dem Keller von Franz Wermuth genossen. Wir tranken ihn ohne „r“ – also ohne Wehmut. Danke Franz! Doch blättern wir zurück… 1989: Türkischer Honig mit Nougat vermischt. Hohe, frische Säure verpackt mit intensivem Botrytis-Ton. Füllig, mit der Ausgeglichenheit auf extrem hohem Niveau, in den Mundaromen feiner Hirschlederton, darüber wiederum Nougat, Mandelgebäck, wunderschön konzentriert mit Aprikosenkonfitürenuancen. Hat mir besser gefallen als der 21er und der 67er. Das leere Glas roch anderntags nach Malaysian-Curry. Das Ganze war minutiös vorbereitet worden – wie ein Verbrechen. Nachdem wir uns im Dezember 1991 mit dem 66er und 67er Pétrus ‹‹angewärmt›› hatten, öffneten wir als letzten ‹‹Aperitif›› einen 67er La Tour Blanche. Dann, als alle Gäste das Arlberg Hospiz-Restaurant verlassen hatten, löschten wir die Lichter und genossen bei Kerzenschein, umgeben von Stille, diesen vollendeten, vermutlich besten Dessertwein der Welt. Einmal hatte ich aus Scherz gesagt, dass ich bis 19/20 Punkte selbst entscheiden könne, was darüber liegen würde, entscheide mein Körper. Und… mein Körper, oder vielmehr meine ‹‹Weinseele›› hat entschieden: Nach dem ersten Schluck weinte ich fünf Minuten lang, die wohl glücklichsten Tränen meines Lebens. Ich musste mich mit meinem Glas in eine Ecke zurückziehen, um mit mir selbst in Klausur zu gehen. Sollte ich noch in der Lage sein, in meinem Sterbebett einen Wein zu schlürfen, dann möchte ich vor der grossen Reise unbedingt den 37er d’Yquem trinken dürfen. Verzeihen Sie mir, wenn ich nicht in der Lage bin, Ihnen eine genaue Beschreibung dieses Erlebnisses abzugeben. Hier reichen Worte unmöglich aus, um dieses gewaltige Ereignis auch nur annähernd zu beschreiben. Geni Hess (Hotel Hess, Engelberg) öffnete diesen Wein 1993 nach dem 55er Lafleur, dem 61er Margaux und dem 71er Pétrus. Ich hatte zwar wieder ein Papier vor mir, um meine Erlebnisse über diesen Wein aufzuschreiben. Nach einer Viertelstunde war das Papier aber so leer wie das Glas vor mir. Im gleichen Jahr an meiner Semester-Raritätendegustation auf dem Bürgenstock mit vier anderen 37ern degustiert: Eine wiederum gigantische Flasche mit einem Eintrittsbillet ins Paradies. Zusammen mit der Magnumflasche Cheval Blanc 1947 an der Parker-100-Probe in Hamburg der einzige Wein, der mehr als 20/20 Punkte machte. 1995: Ich nahm das Glas und entfernte mich von der Gruppe. Eine Viertelstunde lang trank ich „meinen“ 37er d’Yquem. Nachsinnend, begreifend und doch nicht verstehend – in den Engelbergeralpen. Ein Glas, welches nicht in Träume versetzte, sondern wieder nüchtern machte. Nicht ernüchternd – einfach nüchtern. Wie soll ich jenen, die dieses Glück nicht miterleben durften, einen 37er d’Yquem erklären. Ohne egoistisch zu wirken, vergleiche ich diesen Versuch mit der Geschichte, wo ein berühmter Professor seinen vor Prüfungsangst schwitzenden Studenten, die herrliche Lebenszeit nach dem Abitur schmackhaft machen will. Es war wieder eine Punktegrenze-überschreitende Flasche. Zwei Jahre später: Perfektes Bouquet mit stark akzentuierter Botrytis; vielleicht zu Beginn eher schlank, pfeffrig und mit einer gebündelten Intensität, Dörrfrüchte-Reigen, Feigen. Im Gaumen ist der weiche Körper von fülligem Schmelz umgeben, Honigtöne, viel runde, von Fett beladene Extrakt-Moleküle, die Säure dringt immer wieder durch die Süsse hindurch und lässt das Sauternes-, Botrytis-Spiel immer wieder von Neuem beginnen. Unvergesslich und das Ziel einer noch so beschwerlichen Reise nach nicht zu definierbarer Süsswein-Grösse! 98: Dunkles, leicht bräunliches Gold. Rauchiges, feingliedriges Bouquet; unheimlich viel Aromatik, Dörrfrüchte, Röstnüsse, Mandeln, Safran und dunkler Honig, mitten drin eine fein verpackte, pfeffrige Botrytis. Komplexer, fast erschlagender Gaumen, vifes Extrakt, wiederum Honig vermischt mit Dörrfeigen und Malz, gebundenes, katapultartiges Finale, endlos nachklingend. Noch 100 Jahre Garantie! 06: Zwei Flaschen in der gleichen Blindprobe: Erste Flasche: Reifendes Goldgelb. Intensives, zu Kopf steigendes Bouquet, Cognac, Eisenkraut zeigt Frische an, Rosinen, kandierter Honig, dunkle Dörraprikosen, reif und perfekt. Im Gaumen trotz der reifen Süsse, schlank und somit sehr elegant wirkend, mehr Würze wie Frucht, Currynoten, pfeffriges, langes Finale. Einzig der Umstand dass er etwas mehr Opulenz in sich tragen könnte, verhindert die 20/20 Punktewertung. (19/20). Zweite Flasche: Leuchtendes Goldgelb mit bräunlichem Schimmer. Perfektes, duftendes Bouquet, Mandelgebäck, Florentinerbiscuits, Dörraprikosen, vielschichtig und mit jedem neuen Nasenansatz wieder mehr Aromen zeigend. Cremiger, lang gezogener Gaumen, eine pfeffrige, fast quirlige Säure zeigend die sich aber sofort mit einer kandierten Süsse verbindet, wirkt sehr frisch und zeigt noch Reserven für viele weitere Jahre. 08: Als letzten Wein nach drei Tagen Cheval-Blanc in Basel tranken wir diesen Wein im noblen Saal vom eben so noblen Hotel Trois Rois. Eine absolut perfekte Flasche die mich – wieder einmal mehr – zu Freudentränen rührte. (20/20). 12: An der YquemProbe in Luzern. Die Farbe diese Flasche passte irgendwie nicht so richtig zu den früheren Erlebnissen mit diesem Wein. Alles war so unglaublich jung, obwohl es sich optisch von der Flasche, von der Kapsel und vom Korken her um ein authentische Exemplar handeln musste. Aufhellendes Gold, wenig Alterstöne. Sehr süss, enorm konzentriert. Orangenlikör, Orangeat, Bitterorange und Aprikosenkompott. Im Gaumen dicht, viel Orangeat, Bitterorange, Kumquat und exotische Fruchtnuancen, Ingwer und ein Hauch Kokos und sehr pfeffrig im Innern. (20/20). 15: Die Farbe war viel dunkler, als der Suduiraut aus dem gleichen Jahrgang, Fast bräunliches Gold mit Kupferrotem Schimmer. Die Nase zeigte ein fein pfeffrige Note, einen auch Nuancen von flüchtiger Säure, Malaga, Bitterorange, Rauch und dunkles Malz bis hin zu kaltem Rauch. Also viel tiefschürfende Aromatik aufweisend. Das leicht pfeffrige bleibt über die ganze Zeit im Nasenbild. Kamen in der Nase noch dezente Fragen auf, so gewinnt er im Gaumen jegliches Rennen. Die Komplexität, das Extrakt, die Perfektion eines reinen Nektars zeigend. Gehackte Feigen, gehackte, dunkle Rosinen viel Malz und sogar Arabica-Kaffeenoten. Das gewaltige in die Konzentration. Man kann etwas Speichel beifügen und man hat beim Schlucken wieder das Gefühl nochmals einen ganz grossen Schluck zu verkosten. Das war immer schon mein Sauternes-Liebling. Und er berührt mich jedes Mal in innigster Form aufs Neue. Von Kopf bis Fuss und von der Zunge bis hin zur äussersten Spitze jeder einzelnen Zehe. (20/20). 17: Reifes, dunkles schier bräunliches Ocker mit orangem Rand. Das Bouquet zeigt viel Dörrfrüchte, Feigen in getrockneter Form, Sultaninen, weisse Schokolade, dunkles Caramel, Ginster, weisser Pfeffer, gerösteter Sesam, zart vielschichtig, verspielt und stetig an nasalem Druck zulegend. Alles ist da extrem vielschichtig, die erschlagende Süsse wird mit einer perforierten Botrytis ausgeglichen. Im dritten Ansatz; getrocknete Mandarinenschalen und Cointreau. Im Gaumen wiederholen und überaschlagen sich die nasalen Aromen nochmals. Ein regelrechter Cocktail von diversen getrockneten Weinbeeren rauscht an einem vorüber. Das Finale ist dann wahrlich likörhaft und doch ist die Süsse nicht aufdringlich, sondern strahlt royal aus. Es gehört zu den grössten Privilegien eines Weinkenners, von diesem Wein einmal im Leben trinken zu dürfen. Demütige Ehrfurcht zollend!

Zusätzliche Information

Gewicht 1.3 kg